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    2. Internationale IRE-Expertenkonferenz: “Kulturelles Erbe” in Novi Sad, Serbien

    Kulturelles Erbe – ein Mehrwert für die Regionen Europas“

     Gemeinsames europäisches kulturelles Erbe am Westbalkan – Internationale IRE-Konferenz im Zusammenhang mit der Ernennung von Novi Sad zur EU-Kulturhauptstadt 2021.

    Zum zweiten Mal organisierte das Institut der Regionen Europas (IRE) unter der Leitung von Landeshauptmann a.D. Univ. Prof. Dr. Franz Schausberger am 27. April 2018 eine Fachkonferenz zum Thema “Kulturelles Erbe – ein Mehrwert für die Regionen Europas“ anlässlich der Nominierung der Stadt Novi Sad (Serbien) zur EU-Kulturhauptstadt 2021. In Zusammenarbeit mit der Zentraleuropäischen Initiative (ZEI), der Stadt Novi Sad und der Autonomen Provinz Vojvodina fand die Versammlung im Regionalparlament der AP Vojvodina statt. Diese Konferenz hob die große Bedeutung des Kulturerbes für alle europäischen Städte und Regionen hervor, vor allem aber für die Beitrittskandidatenländer.

    Kulturelles Erbe hat einen wichtigen Wert für alle Regionen, Städte, Gemeinden und Gesellschaften. Die Erhaltung und Rettung des kulturellen Erbes sei ein wichtiges emotionales Kriterium für die EU-Integration Serbiens und bilde durch die Stärkung der regionalen Identität die Grundlage für das gemeinsame europäische Kulturerbe. „Indem wir unser kulturelles Erbe pflegen, können wir die kulturelle Vielfalt in Europa fortan erhalten“, eröffnete IRE-Vorstandsvorsitzender, Franz Schausberger, die Konferenz. Der ehemalige Salzburger Landeshauptmann wies auch darauf hin, dass eine gemeinsame europäische Kultur nur dann erreicht werden kann, wenn sie auf einer konkreten regionalen kulturellen Identität beruht. Vor allem sollte das kulturelle Erbe die Grundlage einer europäischen Vision für Wohlstand sein.

      

    Schausberger überreichte Pásztor den Freundschaftsbecher des Instituts der Regionen Europas.

    Wenn wir über das kulturelle Erbe sprechen, reden wir nicht nur über die Vergangenheit, sondern sprechen auch über die Erhaltung der Kultur von heute und morgen. Es sind “Werte der Vergangenheit, die wir in die Zukunft übertragen, um das Erbe unserer Kultur zu bewahren. Dies schließt die grenzüberschreitende Zusammenarbeit und die Bedingungen des Zusammenhalts ein, wenn diese Umstände nicht gewährleistet sind, können wir das kulturelle Erbe nicht bewahren”, betonte der Präsident des Regionalparlaments der AP Vojvodina, István Pásztor, in seiner Ansprache. Darüber hinaus betonte er die Vielfältigkeit des kulturellen Erbes, da es verschiedene Territorien, Multikulturalität und ererbte Kultur umfasst. Die Fähigkeit, ein gemeinsames Interesse zu verstehen, unabhängig von politischen Richtungen, solle im Mittelpunkt des täglichen Wahrnehmungsprozesses stehen. Dies ist ein Beispiel für den Anspruch der Stadt Novi Sad, eine Vorreiterrolle zu übernehmen, wenn es darum geht, ihre Zukunft sorgfältig und aktiv zu gestalten.

    In Serbien und besonders in der Stadt Novi Sad leben zahlreiche Ethnien in einem harmonischen Miteinander. Dalibor Rožić (Mitglied des Stadtrats für Kultur der Stadt Novi Sad) betonte auf der Konferenz, dass die Stadt Novi Sad auch “die universellen, dauerhaften und gemeinsamen Werte fördert”. Die Kulturverwaltung von Novi Sad unterstützt Projekte nationaler Minderheiten, die auf die Bewahrung ihrer Traditionen und Kulturen abzielen, und fördert gleichzeitig Initiativen zur Anerkennung und Hervorhebung des Gemeinsamen.

    Eine andere Sichtweise eröffnete Dragana Milošević (Mitglied der Provinzregierung für Kultur, Öffentlichkeitsarbeit und Beziehungen zu den Religionsgemeinschaften in der Autonomen Provinz Vojvodina) bei Ihrer Rede, als sie die Verflechtung der Kulturen hervorhob, welche die Regionen und somit das kulturelle Erbe selbst beeinflussen. Festungen, Denkmäler, Folklore und Archäologie sind Beispiele, welche die verschiedenen Aspekte der Geschichte aufzeigen.

    Für Paul-Henri Presset, Leiter Information, Kommunikation und Presse bei der Delegation der Europäischen Union in der Republik Serbien, stehen vor allem die Bürger und Bürgerinnen im Mittelpunkt: „Ihnen ihre eigene nationale Identität als einen Kern für den Beitrittsprozess der EU bewusst zu machen, um ihnen größere Chancen für ihre eigene Zukunft zu bieten”, sind die Grundlagen für eine nachhaltige Prävention. Grenzüberschreitende und regionale Zusammenarbeit innerhalb Serbiens sowie mit der EU sind wichtig, um Kulturgut für weitere Generationen zu erhalten. Die EU unterstützt das kulturelle Erbe und den sozialen Zusammenhalt in Serbien.

    In Sachen Regionalpolitik und soziale Kohäsion stehen für Johannes Irschick, Direktor des Österreichischen Kulturforums der Österreichischen Botschaft in Belgrad, gemeinsame regionale Projekte im Mittelpunkt, wenn es um den Erhalt und die Förderung des regionalen Kulturerbes geht. “Es kann nicht nur unser gegenseitiges Verständnis des überregionalen Kulturerbes, sondern auch die lokale und touristische Entwicklung fördern. Um regionale Projekte zu initiieren, braucht es gemeinsame Strategien und Finanzierungsmechanismen”, so der Direktor.

     Von links nach rechts: Franz Schausberger, Paul-Henri Presset, Johannes Irschick, István Pásztor, Dragana Milošević und Dalibor Rožić.

     

    Best-Practice-Beispiele für den Schutz des Kulturerbes und seine Finanzierung

    Kulturelles Erbe trägt dazu bei, den sozialen Zusammenhalt in ganz Europa zu fördern, und bietet einen Rahmen für Partizipation, Engagement, Förderung von Integration als auch Kooperation. In der Eröffnungsrede des Panels “Best-Practice-Beispiele für den Schutz des Kulturerbes und seine Finanzierung” referierte Norbert Beckmann-Dierkes (Büroleiter der Konrad-Adenauer-Stiftung für Serbien und Montenegro in Belgrad) über die derzeitige Situation der Westbalkan Länder, welche „auf dem richtigen Weg in die EU sind, beispielsweise durch Investitionen in Kulturgütern. Zusammen kann eine Kulturstadt gebaut werden und Novi Sad repräsentiert eine solche Stadt”.

    Um jedoch Teil des kulturellen Wegs zur EU zu sein, ist das Kulturgut “wirtschaftlich, politisch und sozial wichtig, welches über Grenzen, Nationalitäten und Regionen hinausgeht”, erklärte Asja Drača Muntean (Vertreterin Serbiens bei der Erweiterung des Teilabkommens über Kulturwege des Europarats, Ministerium für Kultur und Information in Belgrad). Ihrer Meinung nach wäre ein Schritt in Richtung EU, mit kleinen Programmen zu beginnen um Erfahrungen zu sammeln.

    Ergänzend dazu hob Ketrina Çabiri Mijo, Leiterin des Projekts “Netzwerkbildung und Förderung von Schlössern” in Albanien hervor, wie wichtig nachhaltige und vor allem stabile Projekte seien. „In Albanien ist kulturelles Gut nicht nur auf Schlösser beschränkt, sondern wird auch auf Kirchen ausgeweitet“. Aus diesem Grund solle ein gemeinsames Verständnis dafür entwickelt werden, was Kultur bedeutet.

    Einen Schritt weiter geht Boran Ivanoski (NALAS Programmbeauftragter für die Task Force für nachhaltigen Tourismus in Skopje, Mazedonien), indem er betonte, dass „eine gute Zusammenarbeit auf lokaler und regionaler Regierungsebene ein wichtiger Stellenwert sei, um unter anderem den Tourismus zu fördern. Dies würde vor allem soziale, wirtschaftliche und ökologische Auswirkungen mit sich bringen“, so Ivanoski. NALAS bietet zu diesem Zweck Positionspapiere zu konkreten Maßnahmen und Empfehlungen für eine nachhaltige Entwicklung an.

    Für Adrian Tibu, Direktor des Stadttheaters “Gong” in der Stadt Sibiu in Rumänien, ist der Schlüssel zum Erfolg “die Einstellung, sich als Teil der EU bereit zu fühlen und auch Teil zu werden”. Die Kombination von Kultur und Tourismus würde zu Vorteilen und Möglichkeiten führen, innovative Programme und Dienstleistungen sind unvermeidliche Werkzeuge, um das Kulturerbe für die Bürger und Besucher zugänglich zu machen Richtung Europa. Nach wie vor finden täglich Kulturveranstaltungen als auch Freiwilligenprogramme im Rahmen der Kulturhauptstadt statt.

    In Europa ist der Reichtum an historischen Gebäuden und Stätten, historischen Vierteln und Kulturlandschaften für die Menschen sichtbar. Für Katarina Živanović(Archäologin, Europanostra Serbia) “bietet Kulturerbe den europäischen Ländern und Regionen eine einzigartige Identität, eine Grundlage zur Entwicklung des Kulturtourismus und zur Anziehung von Investitionen”. Zusammenfassend ist festzuhalten, dass das kulturelle Erbe eine Schlüsselkomponente darstellt und zur Attraktivität der europäischen Regionen sowie der Städte beiträgt. Auf diese Weise schafft es Arbeitsplätze und  zieht Talente, Unternehmen sowie Investoren an.

     Von links nach rechts: Asja Drača Muntean, Boran Ivanoski, Adrian Tibu, Bosko Negovanovic (Moderator), Katarina Živanović und Ketrina Çabiri Mijo

     

    Regionales Kulturerbe – Eine europäische Vision für Prosperität

    In der Podiumsdiskussion “Regionales Kulturerbe – Eine europäische Vision für Prosperität” betonte Nemanja Milenković, Direktor der Stiftung Novi Sad (FNS20201) in seiner Keynote, dass kulturelles Erbe über den nationalen Rahmen hinausgeht. Es wurde von den Vorfahren geerbt, stellt eine Lebensweise dar und gestaltet Regionen und Städte. “Die gesellschaftliche Entwicklung beeinflusst daher das, was wir unter dem kulturellen Erbe verstehen“, so Milenkovic.

    Das kulturelle Erbe wird im Laufe des Jahres 2018 mit verschiedenen Veranstaltungen und Aktivitäten gefeiert, die auf die Stärkung der gemeinsamen europäischen Identität abzielen und neue Impulse für die Entwicklung der sozialen und wirtschaftlichen Sektoren in ganz Europa geben. “Um das kulturelle Erbe der Nationen langfristig weiterentwickeln zu können, muss es im Falle von bedrohlichen Situationen geschützt werden. Daher sind viele staatliche und nicht-staatliche Organisationen aktiv am Prozess des Schutzes des kulturellen Erbes beteiligt”, erklärte LeylyaStrobl (Vorstandsmitglied des österreichischen Blue Shield-Komitees, Österreichische Roerich-Gesellschaft, Österreich) in ihrer Rede. Der Austausch von Ideen und Innovationen zur nachhaltigen Entwicklung, basierend auf dem internationalen Menschenrechtskonzept, sei essentiell für den Schutz des kulturellen Erbes. Ziel sei es daher, das Bewusstsein für das kulturelle Erbe in der Zivilgesellschaft zu schärfen. “Nur Regierungen allein können diese Aufgabe nicht bewältigen”, sagte Strobl. Die der UNESCO angegliederte NGO “Blue Shield International” ist eine international anerkannte Organisation, die in 28 Ländern tätig ist und sich für den Schutz von Kulturgütern einsetzt.

    Tijana Palkovljević Bugarski, Direktorin der Galerie Matica Srpska in Novi Sad, wies auf die Frage einer “nationalen Kultur” hin. Die Galerie illustriert nicht nur die serbische Kunst, sondern befasst sich mit den Vorgängen zum Schutz des serbischen Kulturerbes in der Region, vor allem in Ungarn und Rumänien. “Wir brauchen nicht nur nationale Identität oder Kultur, sondern auch die Einbettung in die europäische Kultur, eine breitere Sicht des serbischen Kulturerbes im europäischen Kontext, denn Kulturerbe kennt keine Grenzen”, sagte Bugarski. Weiters verwies sie darauf, dass mit diesen Projekten zum Schutz und zur Prävention der weltlichen und religiösen serbischen Kunst, die Zusammenarbeit zwischen serbischen, ungarischen und rumänischen Kulturinstitutionen die kulturelle Vielfalt in der Region entwickelt und gefördert wird.

    Ein weiteres Beispiel brachte Marija Budimir (Leiterin für Tourismus und Kultur in der Gespanschaft Vukovar Srijem in Kroatien), indem sie die Bedeutung des immateriellen Erbes betonte, wie z. B. kulturelle Feste, die viel zur Wahrung der Bräuche beitragen würden. Tomislav Paljak, Vizepräsident der Gespanschaft Varaždin in Kroatien, betonte in diesem Zusammenhang die gemeinsame Geschichte und bezog sich auf die Nähe zwischen Novi Sad und Varaždin. Der Verfall des Kulturerbes, sei ein “ineffizienter Umgang mit Kultur. Um eine Region zu revitalisieren, braucht es Fachkräfte”, so der Vizepräsident. EU-Projekte würden zur Erhaltung von Kulturgütern beitragen.

    Die Finanzierung transnationaler Projekte ist sowohl für Städte als auch für Regionen wichtig. “Um Prosperität zu ermöglichen und das kulturelle Erbe für die künftigen Generationen zu bewahren, unterstützt die EU Projekte, die sich auf dieses Thema beziehen, mit verschiedenen Fonds. Die wichtigsten Programme für Serbien sind das Programm ‚Kreatives Europa‘ und das ‚Instrument für Heranführungshilfe (IPA)‘. Kreatives Europa finanziert Projekte rund um das Europäische Kulturerbejahr 2018 in den Regionen. Das IPA ermöglicht die Revitalisierung von Objekten und den Kauf von Ausrüstung, die die Entwicklung der Kultur und ihre Fortschritte stimulieren kann”, so Mina Radmilović Pjevac (Antenna Creative Europe Culture Desk Serbien, Fonds für Europäische Angelegenheiten der APVojvodina).

    Laut Dimitrije Tadić, Leiter des Culture Europe Culture Desk in Serbien, ist ein intensiver Austausch von nachhaltigen Konzepten nicht nur auf nationaler, sondern auch auf regionaler Ebene für die Zusammenarbeit mit der EU erforderlich. “Prioritäten und Ziele sind notwendig, um nachhaltige Projekte zu finanzieren. Ein detaillierter Austausch auf regionaler und staatlicher Ebene ist daher der erste Schritt”, sagte Tadic.

    Um Bewusstsein zu schaffen, muss man den Wert der Vergangenheit bewahren. Der Ursprung des kulturellen Erbes liegt darin, dass ein moderner Mensch sich in Bezug auf seine eigene Vergangenheit selbst bestimmen muss. “Dies ist die Vergangenheit, deren kultureller Wert in der Gegenwart anerkannt wird. Die Existenz des gemeinsamen Erbes beinhaltet daher immer die Anerkennung gemeinsamer Werte. Sich um diese Werte zu kümmern und dabei alle Schichten von Zeugnissen über die gemeinsame Vergangenheit zu pflegen, kann zu sozialem Wohlstand führen. Auf der anderen Seite führt Gleichgültigkeit ganz sicher zur sozialen Desorientierung”, schloss Milan Popadić(UNESCO-Lehrstuhl für Kulturpolitik und Management, Universität Belgrad) das Panel.

    Von links nach rechts: Dimitrije Tadić, Leylya Strobl Bosko Negovanovic (Moderator), Mina Radmilović Pjevac, Tijana Palkovljević Bugarski, Marija Budimir, Tomislav Paljak, Milan Popadić und Nemanja Milenkovic

     

    Das Institut der Regionen Europas (IRE) widmet sich seit rund 15 Jahren der Stärkung von Regionen und Städten in ganz Europa. Ziel der Konferenz war es, Best-Practice-Beispiele für den Erhalt des kulturellen Erbes in verschiedenen europäischen Regionen vor allem in Zentral-, Ost- und Südosteuropa zu präsentieren, um Erfahrungen und Wissen für den Erhalt der Kulturgüter auszutauschen. Experten und Politiker aus ganz Europa nahmen an der Konferenz teil und diskutierten innovative Finanzierungsmechanismen als auch nachhaltige Konzepte für regionale und lokale Aktivitäten zum Schutz des kulturellen Erbes

    IRE-Vorstandsvorsitzender Franz Schausberger, führte bilaterale Gespräche, unter anderem mit dem Präsidenten der Autonomen Provinz Vojvodina, Ištvan Pásztor, über den neuen Fortschrittsbericht der Europäischen Kommission für Serbien und zur Erweiterungsstrategie der EU für den Westbalkan. Betont wurde vor allem die Bedeutung der Erhaltung des kulturellen Erbes, das einen Grundpfeiler der Europäischen Union darstellt. Rund 120 Teilnehmer aus acht Ländern der Europäischen Region nahmen an der internationalen Fachkonferenz in Serbien teil. Konferenzpartner in Novi Sad waren die Konrad-Adenauer-Stiftung Serbien, Europa Nostra, Blue Shield International, die Raiffeisenbank International AG (Serbien), der Europarat, European Institute of Cultural Routes sowie das Bundesministerium für Europa, Integration undÄußeres (BMEIA) anschreiben.

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